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Wie hoch waren Absätze im 18. Jahrhundert wirklich?

Ein altes Schuhbild verrät die Absatzhöhe nur ungenau. Gemessene Museumsstücke liefern konkretere Antworten und zeigen, warum Gesamthöhe und Absatzhöhe nicht dasselbe sind.

Auf alten Gemälden wirken Absätze manchmal überraschend hoch. Nur lässt sich aus einer gemalten Seitenansicht kein genauer Zentimeterwert ablesen. Erhaltene Schuhe mit getrennt dokumentierten Maßen liefern eine bessere Antwort. Zwei Museumsbeispiele aus dem 18. Jahrhundert kommen auf rund 7,6 und 6,4 Zentimeter Absatzhöhe. Das sind konkrete Werte einzelner Schuhe, kein Durchschnitt für ein ganzes Jahrhundert.

Ein frühes Paar hat einen Absatz von drei Zoll

Das Fitzwilliam Museum datiert ein englisches Schuhpaar auf ungefähr 1700 bis 1730. Im Katalog wird die Absatzhöhe mit drei Zoll angegeben. Umgerechnet sind das 7,62 Zentimeter, also gerundet etwa 7,6 Zentimeter. Hier musst du die Höhe nicht anhand eines Fotos schätzen: Der Katalog nennt ausdrücklich die Messung am Absatz.

Die Schuhe bestehen unter anderem aus bestickter Seide. Zusammen mit der Form ergibt das ein anschauliches historisches Objekt. Für die Frage nach der Höhe ist jedoch die genaue Bezeichnung des Maßes entscheidend, nicht die Pracht des Materials. Ein aufwendig verzierter Schuh muss nicht automatisch höher sein als ein schlichterer.

Ein anderes Objekt liegt bei zweieinhalb Zoll

Colonial Williamsburg führt einen Schuh des Londoner Schuhmachers John Hose, katalogisiert um 1740. Seine Absatzhöhe beträgt zweieinhalb Zoll. Das ergibt 6,35 Zentimeter, gerundet rund 6,4 Zentimeter. Auch dieses Beispiel hat damit einen deutlich ausgeformten Absatz, liegt aber unter dem frühen Paar im Fitzwilliam Museum.

Aus dem Unterschied lässt sich kein allgemeiner Abwärtstrend ablesen. Zwei Objekte aus unterschiedlichen Zusammenhängen sind noch keine Zeitreihe. Sie zeigen vielmehr, weshalb die Frage „Wie hoch waren die Absätze damals?“ mehrere Antworten haben kann. Ein bestimmter Schuh lässt sich messen; eine ganze Epoche braucht eine viel größere und passend ausgewählte Vergleichsgruppe.

Die Gesamthöhe des Schuhs ist ein anderes Maß

Beim Fitzwilliam-Paar nennt der Katalog neben den drei Zoll Absatzhöhe auch eine rückseitige Höhe von fünfeinviertel Zoll. Wer nur die größere Zahl übernimmt, würde dem Schuh einen Absatz von ungefähr 13,3 Zentimetern zuschreiben. Dabei umfasst diese Angabe mehr als den Absatzkörper. Die beiden Maße beschreiben unterschiedliche Teile des Objekts.

Ähnliche Verwechslungen passieren bei heutigen Produktangaben. Wenn du wissen möchtest, wo eine Absatzmessung ansetzt, hilft die Erklärung zur Messung der Absatzhöhe. Bei einem Museumseintrag liest du deshalb zuerst die Bezeichnung neben der Zahl und erst anschließend den Wert. „Höhe“ ohne weitere Erklärung ist noch keine eindeutige Absatzhöhe.

Auch niedrigere Formen gehörten zum Bild

Eine interessante ergänzende Quelle ist ein sogenannter Patten aus der Bowen Collection der University of New Hampshire, datiert auf 1760 bis 1790. Das war ein zusätzlicher Unterbau für einen Schuh, kein gewöhnlicher High Heel. Der Katalog beschreibt eine Aufnahme für einen Schuhabsatz von 2,9 Zentimetern. Dieser Wert bezeichnet ausdrücklich die passende Aufnahme und nicht einen mitgelieferten gemessenen Schuh.

Das Beispiel erweitert den Blick: Historische Schuhe und ihre Ergänzungen waren unterschiedlich ausgeführt. Es wäre falsch, aus zwei prächtigen höheren Schuhen zu schließen, jede Person hätte dieselbe Höhe getragen. Ebenso falsch wäre es, den Patten-Wert ungekennzeichnet als dritte gemessene Schuhabsatzhöhe in eine Tabelle einzutragen.

Wie du Abbildungen sinnvoll vergleichst

Suche möglichst Seitenansichten mit bekannten Maßen und achte darauf, ob der Schuh allein oder zusammen mit einem Unterbau gezeigt wird. Eine schräg aufgenommene Spitze und ein geschwungener Absatz können die Höhe optisch verändern. Auch die Position des Absatzes innerhalb der Silhouette beeinflusst den ersten Eindruck.

Die Geschichte, warum hohe Absätze früher ein Statussymbol waren, erklärt einen anderen Teil der Frage. Aus Status oder Schmuck lässt sich die tatsächliche Höhe nicht ausrechnen. Und rote Absätze am Hof von Ludwig XIV. sind ein eigenes historisches Thema. Farbe, gesellschaftliche Bedeutung und Zentimetermaß sollten beim Vergleichen getrennt bleiben.

Eine konkrete Antwort statt einer großen Durchschnittszahl

Für die beiden genannten Schuhobjekte lautet die Antwort ungefähr 7,6 und 6,4 Zentimeter. Damit hast du belastbare Beispiele für höhere Absätze im 18. Jahrhundert. Du kannst ihren Zeitraum und ihre Sammlung nennen und weißt, welches Maß jeweils dokumentiert wurde. Mehr Aussage steckt in diesen Angaben als in einer ungesicherten pauschalen Zahl.

Wenn du das nächste Mal einen alten Schuh besonders hoch findest, schau deshalb nach einem getrennten Absatzmaß. Fehlt es, bleibt der Eindruck eine Bildbeobachtung. Ist es vorhanden, kannst du Zoll oder Zentimeter vergleichen, ohne die Gesamthöhe des Schuhs mit seiner Absatzhöhe zu verwechseln.

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