UNISEX HEELS

Warum nannte Paco Rabanne seine Kleider „untragbar“, obwohl Models sie trugen?

„Untragbar“ war bei Paco Rabanne die zugespitzte Bezeichnung eines neuen Designansatzes. Seine Kleider wurden tatsächlich präsentiert, bestanden aber nicht aus gewöhnlich vernähten Stoffbahnen.

Untragbar bezeichnete bei Paco Rabanne ein provozierendes Designmanifest, nicht die Behauptung, dass niemand die Kleider am Körper präsentieren konnte. Seine erste Kollektion von 1966 stellte ungewöhnliche Materialien und Verbindungen in den Mittelpunkt. Rhodoid-Plättchen oder Scheiben wurden mit Metallringen verbunden, statt gewöhnliche Stoffbahnen auf vertraute Weise zu vernähen.

Die Form eines Kleids blieb erkennbar, der Weg zu dieser Form veränderte sich. Genau darin liegt die Spannung des Namens. Etwas gehört zur Mode und widerspricht zugleich der Erwartung daran, wie Mode hergestellt sein soll. Die Kollektion fordert diese Erwartung heraus, ohne das Wort Kleid einfach aufzugeben.

Was der ungewöhnliche Titel beschreibt

Das Haus Rabanne nennt die Präsentation vom Februar 1966 als Gründungsmanifest mit zwölf Modellen aus zeitgenössischen Materialien. Der Titel stellt ihre Abweichung bewusst nach vorne. Er ist eine öffentliche Bezeichnung des Entwurfsansatzes und keine sachliche Belastungsprüfung für jede spätere Verwendung.

Bei einer solchen Formulierung hilft die Frage, worauf sie reagiert. Ein Kleid wird gewöhnlich zuerst als textiler Gegenstand gedacht. Wenn viele einzelne feste Teile miteinander verbunden sind, entsteht ein sichtbar anderer Aufbau. Der vertraute Name und die fremde Konstruktion treffen direkt aufeinander.

Einzelne Teile ersetzen die durchgehende Stoffbahn

Ein Kleid aus zusammenhängendem Stoff erhält seine Form unter anderem durch Schnitt und Nähte. Bei Rabannes beschriebenen Modellen steht eine Folge einzelner Komponenten im Mittelpunkt. Zwischen ihnen liegen Verbindungen. Die gesamte Fläche entsteht erst aus der geordneten Zusammensetzung dieser Teile.

Das lässt sich ohne Bauanleitung verstehen: Eine große Fläche und viele kleine Flächen sind unterschiedliche Ausgangspunkte. Beide können einen Umriss bilden, doch ihre Übergänge und Bewegungsmöglichkeiten sehen anders aus. Der Aufbau wird selbst zum auffälligen Teil der Gestaltung.

Was ein erhaltenes Kleid von 1969 zeigt

Das Metropolitan Museum beschreibt ein Rabanne-Kleid von 1969 aus schwarzen Zelluloseacetat-Scheiben. Viele kleine Metallringe halten die Scheiben zusammen. Der Objekttext liefert damit einen konkreten Nachweis für die modulare Konstruktionsidee, nicht bloß eine Werbebehauptung über futuristische Mode.

Die Verbindungsart erinnert laut Museum an Beschläge, die sonst im Schmuckbereich verwendet werden. Eine vertraute Technik wird für ein größeres Kleidungsobjekt eingesetzt. Das ist ein anderes gestalterisches Verfahren als ein Schmuckelement, das erst nachträglich auf ein fertiges Stoffkleid gesetzt wird.

Warum Konstruktion hier zugleich Oberfläche ist

Bei manchen Kleidungsstücken verschwindet die Verbindung im Inneren. Hier gehören die einzelnen Komponenten und ihre Übergänge zur sichtbaren Erscheinung. Das Muster ergibt sich nicht nur aus aufgedruckten Motiven. Es entsteht auch aus der Wiederholung des Aufbaus selbst.

Schuhe bieten ebenfalls Beispiele dafür, dass Konstruktion sichtbar mitgestaltet wird. Der Beitrag zu den Teilen eines High Heels benennt ihre unterschiedlichen Aufgaben. Am Rabanne-Kleid lassen sich Form, Verbindung und Oberfläche besonders eng zusammen betrachten.

Eine präsentierte Idee ist nicht jedes Alltagsszenario

Dass ein Modell in einer Modenschau getragen wird, beantwortet noch nicht jede Frage nach langem Sitzen, täglicher Nutzung oder individueller Passform. Umgekehrt macht ein ungewöhnlicher Aufbau das Stück nicht automatisch zu einem Objekt, das gar keine Kleidung mehr sein kann. Diese Fragen brauchen jeweils den konkreten Zusammenhang.

Der heutige Weg von der High-Heel-Skizze zum Prototyp zeigt, warum Umsetzung und Erprobung eigene Arbeitsschritte sind. Der historische Kollektionstitel ersetzt sie nicht. Er macht vor allem sichtbar, welche Erwartungen der Entwurf bewusst verändern wollte.

Was am Begriff handwerklich neu gedacht wurde

Die Arbeit bestand nicht darin, Herstellung einfach abzuschaffen. Zusammenstellen und Verbinden wurden zu einem anderen Teil der gestalterischen Aufgabe. Auch bei der Herstellung von High Heels führen verschiedene Verfahren zu einem gemeinsamen Gegenstand. Ein fremdes Material bedeutet nicht, dass gar keine Fertigungsarbeit nötig wäre.

Beim Rabanne-Kleid kannst du zum Schluss einer einzigen Reihe von Scheiben folgen. Wo liegt das einzelne Teil, wo seine Verbindung, wo beginnt die nächste Reihe? So wird aus dem provokanten Wort untragbar eine verständliche Frage nach dem Aufbau von Kleidung.

UNISEX HEELS

Im Shop stöbern

Entdecke ausgewählte Modelle aus unserem Sortiment.